zurück zu Index zurück zu Projekte zurück zu Nachlesen Letzte Aktualisierung am 04.10.2024 zur Homepage-Seite

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Kaprun: Hinterbliebene sind enttäuscht [ 1 ]

Mit dem Freispruch im Strafprozess nach der Kaprun-Katastrophe wollen sich die Opferfamilien nicht abfinden. Knapp vor seinem fünften Todestag entscheidet sich die Familie eines Opfers aus Villach jetzt, vor dem Zivilgericht weiter zu kämpfen.

Mutter: "Kann mit dem Tod nicht abschließen"
155 Menschen sind am 11. November 2000 in der brennenden Stollenbahn gestorben. Die Verantwortlichen wurden im Strafprozess freigesprochen. Die Trauer für die Hinterbliebenen der Opfer ist jedoch auch fünf Jahre nach der Kaprun-Katastrophe nicht ausgestanden.

Sidonja Scharwitzl, die Mutter eines damals 21-jährigen Snowboarders aus Villach, hat seit dem Freispruch am Dienstag kaum geschlafen. Das Schlimmste sei für sie, dass man "einfach nicht abschließen kann". Ihr Sohn Dietmar konnte am Unglückstag noch aus der Stollenbahn flüchten, aber er ist nur 30 Meter weit gekommen.

"Das kann doch wohl nicht alles sein"
Seine Eltern haben die Schreckensbotschaft in den Nachrichten gehört, sie sind sofort nach Kaprun gefahren, um Dietmar zu suchen. Nach 14 Stunden Ungewissheit war klar, dass ihr Sohn unter den Toten ist.

"Ich hoffe nur für uns Hinterbliebenen, dass wir bei irgendjemandem Gehör finden und dass doch ein Schuldiger gefunden wird. Das kann ja wohl nicht alles sein", klagt die Mutter.

"Wer weiß, ob unser Sohn im Grab liegt"
Dietmars Bruder Roman flüchtet sich seitdem in die Arbeit. Die Eltern weigern sich, den Tod ihres Sohnes zu akzeptieren:

"Ich stelle mir immer noch vor, dass er eines Tages von irgendwo anrufen und sagen wird, dass wir ihn holen kommen sollen. Wenn ich vor seinem Grab stehe, denke ich mir manchmal: Wer weiß, ob er da überhaupt drinnen liegt", so die Mutter in einem ORF-Interview am Samstag.

Nächster Schritt: Zivilgerichtsverhandlung
Der Villacher Anwalt Herwig Hasslacher vertritt die Familie Scharwitzl und weitere 20 Opferfamilien. Er schlug den Familien vor, beim Europäischen Gerichtshof Beschwerde gegen das Strafprozess-Urteil einbringen. Der nächste Schritt allerdings ist das Zivilgericht, dort wird es um die Haftung der Gletscherbahnen Kaprun gehen, sagt Hasslacher.

"Beim Zivilgericht geht man an die Sache mit ganz anderen Maßstäben heran. Dort kommt es zu einer Umkehr der Beweislast und die Zivilrichter haben mir und anderen Kollegen bereits bekundet, dass sie den Ablauf des Unglücks und die Einhaltung der Vorschriften penibel genau kontrollieren werden."

Prozess kann sich in die Länge ziehen
Ein Prozess, der sich wieder jahrelang hinziehen kann. Auch das Verfahren, das Staranwalt Ed Fagan in New York führt und die Arbeit bei der Kaprun-Versöhnungskommission laufen noch.

In den fünf Jahren seit Dietmars Tod ist die Familie Scharwitzl mutlos geworden. Ihnen liegt nichts an Rache. Sie hoffen nur, dass sie nach dem Zivilgerichtsprozess endlich zur Ruhe kommen und zumindest juristisch mit dem Tod ihres Sohnes abschließen können.

Zum Original.

[1]
Aus kaernten.ORF.at-Internetseite vom Samstag, 01.10.05.
Mit freundlicher Erlaubnis der Redaktion kaernten.ORF.at *

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